»Daher auf zu meinen Fronten«































KOMA69 ist Autoren-Musik!



























KOMA69 ist Bauchmusik!


















Futuristische Form:
Monotonie und Experiment



























Über den Einfluss des Futurismus auf das
Electro-Avantgarde-Projekt KOMA69


Ein Vortrag von Alexander Graeff, gehalten am 13. Juli 2009 im Rahmen
der Tagung »Futurismus – Zukunftsmusik oder Schnee von gestern« im
Italienischen Kulturinstitut in Köln (Auszüge)



KOMA69 ist ein musikalisch-literarisches Experimental-Projekt. Expressive
Literaturvertonung trifft auf experimentelle Klangerzeugung. Surreale und
dadaistisch anmutende Songtexte verbinden sich mit nicht immer leicht er-
schließbaren Soundstrukturen. KOMA69 ist der Versuch einer Synthese aus
elektronischer Musik, skurriler Poesie, hypnotisierenden Visuals und unge-
wöhnlichem Instrumenteneinsatz – eine Fusion aus treibendem Rhythmus,
funkigen Gitarren und elektrisierenden Bässen.

KOMA69 war der Versuch, mit Lyrik unkonventionell umzugehen, Grenzen
zur Klangkunst zu überschreiten und eine neue Poesieform zu entwickeln.
Genau das meint Autoren-Musik: einen Grenzbereich neuer poetischer
Zeichenbildung durch experimentelle Methoden zu erschließen.



Entscheidend bei KOMA69 sind allgegenwärtige Spannungsfelder, nicht nur
zwischen Musik und Literatur, sondern auch bezüglich Stilistik und Ästhetik.
Es gibt keine klare, eindeutige Genrezuordnung. Die gibt es deshalb nicht,
weil wir uns einer solchen Einordnung verweigern. Die Musik bewegt sich in
einem »kontrapunktischen Feld«: Sie pendelt zwischen Naivem und Ernstem,
zwischen Pop und Industrial, zwischen Musizieren und Lärmen, zwischen
Singen und Schreien, zwischen monotoner Loop-Programmierung und Im-
provisation. Man könnte sagen: KOMA69 verhindert Extreme, spielt aber mit
extremen Einflüssen.

Als Koma wird gemeinhin eine tiefe Bewusstlosigkeit bezeichnet. Ähnlich
begreifen wir auch KOMA69. Kontrollverlust wird nicht nur hingenommen,
sondern ist gewünscht. KOMA69 folgt einer emotionalen Herangehensweise
an Musik. KOMA69 ist Bauchmusik. Das, was wir machen fordert nicht zum
intellektuellen Partiturenstudium auf, sondern führt in einen sehr naiven,
mehr körperlichen Klangraum.



Die Monotonie entsteht durch die Loop-Programmierung. Sie »ritualisiert«
das Stück. Die literarischen und musikalischen Themen werden durch das
Metrum »getaktet«; ein alles durchdringender, sich wiederholender Bass-
Beat etwa erzeugt das Gefühl einer Trance, eines Komas, bei dem der
monotone Rhythmus bestenfalls auf sinnlicher Ebene zu dem gewünschten
Kontrollverlust führt.

Das [...] Experimentelle dagegen ist das der Monotonie gegenüberstehende
Prinzip. Es bringt eine gewisse Unvorhersehbarkeit in die Stücke. So ent-
steht wieder ein Spannungsfeld zwischen den monotonen Loops und dem
experimentellen Einsatz von Instrumenten und Stimmen. Dieses Auf und Ab
aus Wiederholung und Bruch – so könnte man sagen – macht dann den Reiz
an KOMA69 aus.



Bei dem Album »Il Futurismo« ging es nicht nur um die Verwendung futuristi-
scher »Formen«, sondern um die inhaltliche Thematisierung des Futurismus
selbst, also um die prominente Frage nach der Relevanz des Futurismus
heute. Wie ich einleitend betonte, wollten wir ja gerade keine retrospektiven
Formarrangements kreieren.

Das Auftreten einer Fliegeralarm-Sirene beispielsweise ist nur ein Hinweis –
ein ästhetisches Symptom, wenn man so will – auf ein futuristisches Kern-
thema wie den Krieg. Ihr Einsatz markiert keinesfalls einen offensichtlichen
Bezug auf den historischen Futurismus. Geräusche, Stimmungen und Klänge,
die aus Russolos Klangkasten zu stammen scheinen, werden bei KOMA69
nie plakativ inszeniert, sondern in den erwähnten Spannungsfeldern mehr
oder minder stark kodiert.

Vollst”ndige Textversion auf www.futurismus.kulturserver.de